Christoph Räthke, Berlin Startup Academy: „Zum Erfolg beim Pitchen gehört mehr als Glück und Netzwerk“

Bei der Berlin Startup Academy (BSA) handelt es sich um ein Trainingsprogramm für (angehende) Gründer.

Christoph Räthke – Gründer der Akademie und in der Berliner StartUp-Szene wahrlich kein Unbekannter – über seine Initiative, und wer bei der BSA mitmachen kann:

Christoph, wie darf man sich das Training der BSA vorstellen, durch wen wird dies durchgeführt, und was kostet die Teilnahme?

BSA ist mehr als ein Trainingsprogramm. Ja, der „Accelerator“-Teil, der aus der Welt ähnlicher Programme wie Techstars, startupbootcamp oder Founder Institute stammt, ist ein zentraler Teil. Aber fast ebenso wichtig ist, daß BSA die Brücke zwischen der Startup- und der Corporate Innovation-Welt (also großen Konzernen) werden soll – etwas, das meines Wissens nach noch niemand systematisch angegangen ist.

Startup-Gründer und Mitarbeiter großer deutscher Firmen werden in wöchentlichen Sessions von hervorragenden Protagonisten der Startup- und Digitalindustrie gecoacht, sodaß sie die besten Chancen haben, ein Unternehmen zu etablieren, das attraktiv für Venture Capital ist. Und darüber hinaus auch durchdacht und vor allem relevant genug, um die Chance zu haben, über Jahre zu wachsen.

Gründer zahlen eine Semestergebühr von 1000 € und geben von ihren Unternehmen 4% ab. Die 1000 € dienen vor allem als Verbindlichkeitssymbol; die besten Gründer bekommen am Ende des Programms für diesen Einsatz das Doppelte, also 2000 €, zurück. Die sie dann aber auch gleich in ihr Unternehmen stecken müssen.

Für wen bzw. in welchem Stadium eignet sich ein Besuch eurer Academy, und bedient ihr dabei eher die Online- oder sämtliche Branchen?

Wir bedienen nur die Online-Branche, und auch dort nur das Segment der „skalierbaren Ideen“. Eine Digital-Agentur zum Beispiel, die Webseiten für andere baut, ist per definitionem nicht skalierbar – für jeden neuen Kunden muß man individuelle Lösungen entwickeln, wofür man mehr Personal braucht; steigende Umsätze werden also meist von steigenden Kosten aufgefressen. BSA arbeitet dagegen mit Ideen, die – ganz nach Silicon Valley-Vorbild – das Zeug haben, von fünf Freaks in einer Altbauwohnung programmier- und dann Millionen mal verkaufbar zu sein.

Wir richten uns damit, anders als zum Beispiel startupbootcamp, auch an Leute, die noch kein Team haben, sondern nur eine Idee – plus den Willen, es wissen zu wollen und ein digitales Unternehmen zu gründen. An Ideen kann man arbeiten, sie auch verwerfen und wieder neu beginnen – aber der Willen muß da sein. Plus gute Englischkenntnisse, das notwendige Zeit-Budget von 15-20h/ Woche, und die Möglichkeit, einmal die Woche in Berlin zu sein.

Ihr arbeitet mit zahlreichen, teils sehr bekannten Mentoren der Gründerszene zusammen. Welche Rolle spielen diese beim gesamten Trainingsprozess?

Unsere Mentoren spielen die zentrale Rolle. Ich selber werde nur punktuell Lehrender sein, z.B. bei Pitch-Training und Executive Summaries. Alles andere machen die Mentoren – von Lehrvorträgen über 1-zu-1 Beratung bis hin zu ganz konkreten Handreichungen. Zum Beispiel ist es über die Mentoren manchmal möglich, teure Messekarten oder auch Medien-Zugang für umsonst zu bekommen. Über allem steht aber natürlich das enorme Netzwerk der Mentoren; viele von ihnen sind selber auch Investoren, einige arbeiten direkt für VCs.

Alle gemeinsam arbeiten daran, daß ein Gründer in dem Moment, wo er nach Kapital, Mitgründern, Partnern o.ä. sucht, wirklich 100% in der besten Position dafür ist. Viele glauben, daß Erfolg beim Pitchen und der Kapitalsuche großenteils Glück und „Netzwerk“ ist; das stimmt aber im Kern nicht. Das Wichtigste ist, alle Fragen zum eigenen Business fundamental und überzeugend beantworten zu können, weil man sie durchdacht und wirklich verstanden hat. Und dabei helfen Mentoren extrem. Ein Gründer, der selbstsicher und fachkundig Rede und Antwort stehen kann, wird niemals auf dem falschen Fuß erwischt – und er bringt sich damit erst in die Position, in der Glück und Netzwerk ihm helfen.

Was versteckt sich hinter den „Idea Interviews“, die ihr anbietet?

Es ist eine selten gehörte, aber umso wahrere Wahrheit, daß 90% der Ideen, die Gründer am Anfang ihres Wegs zum Unternehmer haben, großer Unsinn sind. Die wenigsten haben sich zu diesem Zeitpunkt schon die essentiellen Fragen nach Pain Point, Marktvolumen, Transaktionsgrößen, Konkurrenz, Umsetzbarkeit etc pp gestellt. Wenn ich diese Fragen dann kurz mit hoffnungsfrohen Gründern durchgehe, schaue ich meist in lange Gesichter. Das, der erste Teil des „Idea Interviews“, ist aber schon wertvoll, weil es potentielle Gründer vor herben Enttäuschungen in der Zukunft bewahren kann.

Der zweite Teil besteht darin, mit den Leuten darüber zu sprechen, was sie eigentlich tun sollten. Was sind deine Talente? Was fordert dich intellektuell? In welcher Welt lebst du, was sind deine Leidenschaften? Lassen sich in diesem Umfeld Pain Points, also relevante, ungelöste Probleme, identifizieren, auf denen sich eine kommerzielle Lösung konzipieren läßt?

Dabei kommt fast immer etwas Konstruktives heraus – etwas, das sowohl der Persönlichkeit des Gründers entspricht als auch das Potential hat, nachhaltig und profitabel zu sein.

Euer Portal ist komplett englischsprachig. Warum?

Das Programm und all seine Facetten finden komplett auf Englisch statt. Zum einen deshalb, weil Englisch die Lingua Franca der digitalen Welt ist – like it or not ;-) Zum anderen, weil BSA explizit auch Nicht-Deutsche anspricht, zum Beispiel die Expats, von denen so viele in Berlin leben. Oder, und das ist mir sogar ein besonderes Anliegen, Gründer aus unseren Nachbarländern. Im Moment ist es nirgends in Europa so vielversprechend, ein Startup zu gründen, wie in Berlin – nicht nur für Deutsche.

Ein paar Worte zu dir und deinem „Werdegang“ in der Berliner Gründerszene?

Ich hab Ende 1996 in meiner ersten Online-Agentur, einem mir damals völlig unbekannten Laden namens Pixelpark, angefangen. Mein erstes Startup-Team hatte ich 1999/2000, mit einer Idee, die super war und m.E. heute immer noch nicht so umgesetzt wurde, wie wir sie damals wollten. Über die Jahre habe ich immer wieder Ideen entwickelt und mit Teams daran gearbeitet.

Anfang 2008 gründete ich dann den Berliner Mobile Monday mit und habe vier Jahre die vierteljährlichen Events organisiert und präsentiert und auch auf anderen Konferenzen und Veranstaltungen gesprochen. 2010/11 konnte ich dann zwei Semester lang das Founder Institute in Berlin leiten, aus dem einige tolle (und mittlerweile finanzierte!) Startups hervorgegangen sind. Ja, und die letzten beiden Jahre habe ich den „Startup Day“ auf der Webinale präsentiert, mache Pitch Training und Beratung u.a. für www.twistberlin.com und www.toaberlin.com, war gerade als Mentor auf Konferenzen in Krakau und beim www.startupyard.cz in Prag…

Ganz wichtig ist aber auch, und hier schließt sich der Kreis zur allerersten Frage, daß ich seit 2002 immer wieder für die Deutsche Telekom gearbeitet habe und darüber viele Protagonisten der Telco- und Medienbranche kennen- und schätzen gelernt habe. Dieses Netzwerk auf der Konzernseite ist ein wichtiger Ausgangspunkt für BSA; die Notwendigkeit von mehr Innovationsfähigkeit wird auch auf jener Seite immer besser verstanden. Wenn wir beide Seiten konstruktiv und gemeinsam an neuen Ideen und Unternehmen arbeiten lassen, haben wir die Chance, etwas Großes zu schaffen.

Also seid dabei!

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