Constanze Köpp von wohnkosmetik.de: Den Räumen ihre Seele geben

Normalerweise berichten wir eher über noch ganz „frische“ StartUps, aber die Geschäftsidee von www.wohnkosmetik.de fanden wir so schön, dass wir darüber einfach schreiben müssen.

Constanze „Conni“ Köpp ist nach eigenen Angaben „Gründerin, Autorin, Mami, Partnerin, Freundin, Kämpferin und Optimistin“. Vor allem der letztgenannte Punkt dürfte sie für ihre Arbeit als echte Wohnexpertin geradezu prädestinieren:

Frau Köpp, was genau bietet Ihre „Wohnkosmetik“, und wer sind Ihre typischen Kunden?

Mein Tenor ist: „Vorher war Gestern!“ Und „Wellness für die Wohnung!“ Jeder, der ein Haus, aber kein Zuhause hat, gehört zu meiner Zielgruppe. Jeder, dem es an Zeit, Geld, Ideen und Muße fehlt, sollte mich buchen. Ich will Raum und Mensch glücklich machen! Ich biete mit meinem Unternehmen „Wohnkosmetik“ verschiedene Module: Beim Powertag (6 Stunden) geht es ums Loslassen, ums Strukturieren, ums Aufräumen und am Ende ums Umstellen mit dem Vorhandenem. Bei der Beratung (1,5 Stunden) gebe ich Tipps zu Farben, Möbel – und Ideen zur Gestaltung. Aber auch meine Fernberatungen oder personal Shopping-Angebote bis hin zu SOS-Single-Einsätzen (3 Stunden vorm nächsten Rendezvous) werden gern gewählt.

Hatte ich gestern die Single-Frau, habe ich schon übermorgen den Unternehmer und eine Woche drauf die Wohnungsverwalterin oder Maklerin. Familien oder Einzelpersonen nach Trennungen, vor Umzügen oder Neuanfängen sind nur wenige Beispiele. Und ob Beratung oder Powertag, in welcher Stadt auch immer, das Ziel ist immer dasselbe: Endlich nach Hause kommen! Endlich Räumen Seele geben!

Ihre Gründung stammt aus einer Zeit, als es noch nicht diverse TV-Formate zu diesem Thema gab. Wie entstand das ursprüngliche Konzept, und Ihr Sprung in das kalte Wasser der Selbstständigkeit?

Als junge Schülerin brannte ich bereits für Veränderungen. Da ich kein Geld für Neuanschaffungen hatte bzw. brauchte, zauberte ich stets mit dem, was da war. Ich übte im Kinderzimmer, dem ich wöchentlich ein neues Gesicht verpasste, breitete mich weiter in der elterlichen Wohnung aus und später in den Zimmern meiner Freundinnen – zum Leidwesen deren Eltern. Die Erkenntnis, dass der Mensch nicht viel braucht, er noch viel weniger benötigt und sich nach etwas sehnt, das es ohnehin in keinem Katalog gibt, war mein Leitgedanke.

Ich wollte nicht nur bei mir selbst und meinen Freundinnen Zeugin sein, wie der Wandel im Außen in eine innere Wandlung übergeht. Was wir im Außen bewegen, bewegt immer auch unser Innen. Wohnkosmetik – die schnellste Therapie für zwischendurch! Ich sprang mutig und ohne Ausbildungen, nur mit der Leidenschaft für Mensch & Raum und mit der Freude am Chaos anderer in die Selbständigkeit. Mein Glaube an den Erfolg war mein Treiber.

Ich stand jenen jungen Formaten sehr kritisch gegenüber, in denen einfach weggeworfen wird, was noch brauchbar war. Und ohne den Menschen an die Hand zu nehmen und ihn selbst mit anpacken zu lassen. Ich wollte gerade NICHT neu einrichten, ich wollte stets das Beste aus Vorhandenem herausholen.

Was waren rückblickend die größten Herausforderungen hierbei, und wie konnten Sie diese meistern?

Meine Einsätze sind sehr geprägt von Nähe, Vertrauen, Mut. Wenn Menschen weinen, weil ihnen das Loslassen so schwer fällt. Wenn Menschen nach einem Tod die Spreu vom Weizen trennen sollen. Wenn Eltern mich für die Arbeit mit ihren Kindern rufen. Wenn das Chaos Besitz ergriffen hat von den Bewohnern. Wenn die Menschen keine Luft mehr bekommen in ihrer Fülle. Kein Zustand ist mir fremd, kein Chaos zuwider. Ich werte niemals!

Constanze Köpp bei ihrer Arbeit

Herausfordernd bleibt es für mich derzeit, mein Wohnprojekt „HH hält zusammen“ für arme Familien weiter voran zu treiben, weil die Zeit sich ja im Leben nicht verdoppeln lässt. Ich möchte auch noch regelmäßiger Wohnworkshops anbieten und noch viel mehr gute Wohnperlen aus anderen Städten schulen, damit aus Wohnkosmetik eines Tages ein kleines Imperium wird! Damit meine Kunden aus anderen Städten auch auf von mir geprüfte Perlen zugreifen können, um in erster Linie Anfahrtswege finanziell einsparen zu können.

Weiter bleibt es wohl auch für mich – wie sicherlich für andere Gründer – von großer Bedeutung, immer schneller und weiter zu sein als jene, die Ideen gern kopieren. Trittbrettfahrer finde ich anstrengend, wenngleich man sich Neid bis dato auch verdient hat. Ich bin für „Umarmungen“, nicht für „Ellenbogen“!

Wohnkosmetik bekommt derzeit Nachwuchs mit „Ladenkosmetik“. Mögen Sie uns darüber ein wenig berichten?

Als die ersten Anfragen für die Gestaltung gewerblicher Räume kamen, musste gleich ein Arbeitstitel her. Ladenkosmetik steht für jene öffentlichen Räume, in denen Menschen verweilen, ob kurz oder lang. Restaurant-Kosmetik könnte ich auch aufzählen. Und Schaufenster-Kosmetik betreibe ich fast wöchentlich in einem kleinen Schuhladen in HH-Grindel: ohne Budget „Jede Woche ein neues Gesicht!“.

Aber auch Ferienwohnungen, Salons, Büros, Cafés nehme ich gern unter die Lupe. Entweder packe ich praktisch mit an oder ich schnüre kleine Pakete für Gestaltung, Service und PR. Ich wünschte, man ließe mich viel öfter 6 Stunden zaubern, ohne Neuanschaffungen oder höchstens nach kleiner Budgetvorgabe. Leider jedoch wird Geld an falscher Stelle eingespart. Ein Teufelskreis, denn wenn ich einen Raum habe, den viele Menschen täglich betreten, darf ich mit Atmosphäre und Gestaltung nicht geizen!

Besonders im Lieblingsfokus liegen Beautysalons und Schaufenster. Oh, welch desolates Schauspiel hinter mancher Fassade. Was könnte mit einer schönen Idee viel Kundschaft angezogen werden, wenn nur das Außen die Menschen anziehen und nicht abstoßen ließe. Werden wir wieder anspruchsvoller und trauen uns, auch mal abzugeben, was nicht unsere Stärke ist – Gestaltung des Außen – damit das eigentliche Handwerk überhaupt ’ne Chance bekommen kann!

Wie gut ergänzen sich die beiden Konzepte?

Oh, sie vertragen sich, verstehen sich, ergänzen sich. Und sicherlich werden sie mit noch mehr Nachwuchs rechnen müssen, denn Wohnkosmetik ist in alle Richtungen offen, solange es um Mensch & Raum geht!

Von Ihnen stammt unter anderem das Buch „Die Kunst des Aufräumens“, erschienen im rororo/Rowohlt-Verlag. Was meinen Sie: Wieso haben einige ein so gutes Händchen für die Wohnraumgestaltung, während sich andere absolut schwer damit tun?

Nach meinem Buch „Frannys Reise“ (droemer knaur) wollte ich ein Wohnbuch schreiben. Mir wurde der Autor Thomas Ritter vorgestellt, der mit unserem Gemeinschaftswerk sein 2. Buch für den Verlag geschrieben hat. Aber ganz besonders stolz bin ich auf mein 1. alleiniges Wohnbuch, das ab Dezember 2012 auf amazon vorbestellbar ist. Es wird im Frühjahr 2013 bei Droemer Knaur erscheinen und behandelt das LOSLASSEN und die Bedeutung von einem ZUHAUSE. Ich habe lange mit viel Herzblut daran geschrieben und konnte tolle Beispiele aus meiner Praxis einfließen lassen.

In diesem Zusammenhang: Kann man guten Geschmack „lernen“?

Geschmack ist keine Streitfrage. Stil auch nicht. Ich erkenne Richtungen, muss sie aber nicht als meine annehmen. Traurig finde ich, wenn Menschen überfordert damit sind, ihre eigene Richtung, ihren eigenen Stil zu finden. Wenn sie sich abhängig machen von Trends, Models, Katalogen.

Was wir aber lernen können, und was auch ich persönlich meine Kunden lehren will: ihre Sinne für ihr Umfeld zu schärfen. Genau hineinzuschauen in den Spiegel, der unsere Wohnung für uns ist. Wir können lernen, uns zu trennen und loszulassen, auch zu unterscheiden zwischen sinnvoll und sinnlos. Zwischen praktisch und optisch, zwischen Freiheit und Ballast. Zwischen Kauffreude und Kaufzwang. Wir können lernen, unser Zuhause zu lieben und es ernster zu nehmen, weil es eben mehr ist als nur ein paar Räume.

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