Crowdfunding, Störerhaftung und die Lösung des brennendsten Problems

Ein Gastbeitrag von Alexander Prokop, sorglosinternet.

Beim Crowdfunding sammeln Menschen Kapital und Feedback für ein Projekt ein um es mit der Hilfe der Masse zu validieren und realisieren. Der Support kann ganz vielfältig ausfallen; Mund-zu-Mund Propaganda, Dialog mit potentiellen Kunden oder aber die direkte finanzielle Unterstützung der Projektidee mit kleinen bis größeren Geldbeträgen, um dem Konzept “Starthilfe” zu geben. Anhand der Kampagne “sorglosinternet” teilen wir unsere Erfahrungen mit einer Crowdfunding-Kampagne in Deutschland.

Am Anfang stand die Abmahnung

Es gibt viele Motive ein Firma zu gründen. Meist geht es um eine Fragestellung für die es bisher keine zufriedenstellende Lösung gibt. Auch aus einer gesellschaftlichen Problematik heraus, die viele Menschen beschäftigt, kann eine Business-Idee erwachsen. Bei uns geht es um ein rechtliches Problem: die Störerhaftung.

Diese macht es dem Inhaber eines Internetanschlusses besonders schwer seine Verbindung mit Gästen und Kunden zu teilen, denn im Zweifel haftet dieser für die Handlungen seiner Gäste. In Deutschland ist man als Cafébetreiber, Hostel-Besitzer oder Inhaber des WG-Anschlusses also der Dumme, wenn etwas Illegales auf der Leitung passiert. Abmahnungen werden immer häufiger und führen mitunter dazu, dass Cafés immer seltener Ihren Gästen WLAN anbieten. Nicht nur für uns persönlich ein echtes Ärgernis, da wir oft mit Handy und Laptop bewaffnet an vielen verschiedenen Orten der der Republik arbeiten möchten.

Wie wird daraus eine Geschäftsidee?

Selten lässt sich ein rechtliches Problem technisch lösen, was bei uns aber der Fall ist. Das Konzept von sorglosinternet war geboren. Sorglosinternet besteht hauptsächlich aus einem vorkonfigurierten Router, der sorglosbox, die vor Abmahnungen und damit dem Problem der Störerhaftung schützt. Wie kann aus dieser Idee ein Start-Up werden? Selbst für das ausgereifteste Konzept, braucht man Startkapital um ein Unternehmen zu gründen und erste Infrastrukturen wie eine Webseite oder Produktprototypen zu realisieren.

Da wir keinen Kredit aufnehmen wollten und die Lottofee doch zu oft die falschen Gewinner zieht, haben wir uns für eine Crowdfunding-Kampagne entschieden. Zusätzlicher Ansporn kam durch einen Gründer Garage Wettbewerb, der zusammen mit Google und Indiegogo, einer in Kalifornien ansässigen weltweiten Crowdfundingplattform, stattfand. Hierbei verdoppelt einem Google die eingenommene Summe bis 10.000 €, wenn man sein Kampagnenziel erreicht. Größte Hürde ist jedoch, dass sich möglichst viele verschiedene Leute an der Kampagne beteiligen müssen. Je größter der Buzz, desto höher die Gewinnwahrscheinlichkeit.

Wie kann Crowdfunding helfen?

Nach der positiven Prüfung der Geschäftsidee durch die Gründergarage ging alles ganz schnell. Mit dem Handy nahmen wir ein kurzes Video auf und erstellten unsere Kampagnenseite auf Indiegogo. Uns war klar, dass es bei dem Projekt nicht nur einfach darum ging, mit einer Webseite modern für Almosen zu bitten. Crowdfunding ist mehr. Durch Crowdfunding erhält man Feedback und kann den Absatzmarkt für sein Produkt testen, noch bevor das eigentliche Erzeugnis gebaut ist.

Man kann mit Usern in Kontakt treten, erhält erste Insights und versteht so die Gründe die hinter dem Bedürfnis nach einer Problemlösung stecken oft besser. Crowdfunding schafft einen Austausch und Aufmerksamkeit, noch bevor es richtig losgeht…

Wie erreicht man Menschen die sich engagieren?

Unser Ziel ist es, innerhalb von 4 Wochen 5.000 € an Kapital zu sammeln. Dieser Betrag hilft uns die Gründungskosten sowie den Entwicklungsaufwand der sorglosbox-Prototypen zu realisieren und eine professionelle Website zu erstellen. Im ersten Schritt motivert man Freunde und Bekannte sich einzubringen und die Idee weiter in die Welt zu tragen um im zweiten Schritt auch bisher Unbekannte für sein Projekt zu begeistern.

Als hilfreich um die Motivation der Unterstützer besser zu verstehen, haben sich die 4 “P”s erwiesen:

  • Passion (Begeisterung)
  • Perks (Dankeschöns)
  • Participation (Teilnahme)
  • Pride (Stolz)

Diese 4 Aspekte sind die häufigsten Gründe, warum Menschen in ein Crowdfunding-Projekt investieren. Es ist die Leidenschaft und die Begeisterung für das eigene Projekt, die andere Menschen an einen glauben lässt. Deshalb ist das persönliche Video so wichtig, damit die Unterstützer einem in die Augen sehen können und das ‘Brennen’ für die Idee gesehen werden kann.

Die Kampagne bei Indiegogo

Man bekommt mehr Kampagnenunterstützer wenn man deren Einsatz mit originellen “Dankeschöns” (Perks) belohnt. Das kann zum Beispiel ein Rabatt für das zukünftige Produkt sein, eine kostenlose Probepackung oder ein Vorabtest der zukünftigen Dienstleistung. Perks sind oft sehr individuell und hängen stark vom späteren Produkt oder der Dienstleistung ab. Wichtig ist, dass die Supporter aktiv in das Projekt eingebunden werden, damit früh klar wird, dass der Erfolg nur durch sie erreicht werden kann. Das kann einen am Ende sogar stolz machen.

Stellt Euch vor ihr könntet sagen: “ICH war dabei und hab an die Idee der Gründer geglaubt und habe das Projekt mit möglich gemacht. ICH habe es mit erschaffen”. Leute können somit selbst aktiv werden, sich einbringen und Dinge unterstützen oder selbst zum Leben erwecken, die ihnen am Herzen liegen.

Wir möchten deshalb noch ein weiteres “P” hinzuzufügen. Es heißt: People (Menschen). Personen investieren niemals nur in ein Produkt, sie investieren in die Menschen und die Philosophie dahinter. Wir haben viele Videos gemacht und darüber erzählt, was uns antreibt. Aber natürlich ist das nur ein Beispiel, denn jeder muss seinen ganz persönlichen Weg finden, wie er sein Anliegen authentisch an seine Zielgruppe vermitteln kann.

Es bleibt harte Arbeit

Die Vorbereitungen für eine gute Crowdfunding-Kampagne sind jedoch nur der Anfang. Eine wirkungsvolle Kampagne ist vor allem eins: harte Arbeit von Anfang bis Ende! Wir haben in den 4 Wochen hunderte von Mails geschrieben und viele Stunden telefoniert, um der Kampagne die Initialzündung zu geben. Es ist tatsächlich so, dass anfangs etwa 30 Prozent des Geldes aus dem engesten Freundes- und Verwandtenkreis kommen soll, da sonst “fremde” Personen nur schwer in ein Projekt investieren. Selten will jemand der Erste sein, oder in ein Projekt investieren, dass noch keine Unterstützer gefunden hat.

Dieses Motto gilt auch beim Crowdfunding. Ist der Funke aber einmal übergesprungen, läuft es leichter. Dennoch, über den gesamten Zeitraum der Kampagne heißt es, Gas geben, mit Menschen reden und in Kontakt treten, seine Überzeugungen transportieren, Fragen beantworten und Interesse für die Idee wecken. Interessant dabei war, dass ein persönliches Gespräch bei weitem mehr bringt als ein einfacher Statuseintrag bei Facebook. Sicher, Facebook ist hilfreich, eine echte Konversation von Mensch zu Mensch ist aber immer noch wesentlich effektiver.

Fazit

Wir arbeiten dafür, möglichst vielen Menschen einen leichten und abmahnfreien Zugang zum Internet zu verschaffen, trotz der derzeitigen Rechtslage in Deutschland. Es geht dabei nicht darum, den Menschen zu ermöglichen im Internet tun und lassen zu können, was sie möchten. Vielmehr steht bei uns der einfache und sichere Zugang zum Internet im Vordergrund, den viele Cafés, Restaurants oder kleine Hostels ihren Gästen anbieten möchten. Wir wollen, dass Internet via WLAN bzw. Hotspot an möglichst vielen Orten in Deutschland verfügbar ist.

Unsere Crowdfunding-Kampagne hat uns diesem Ziel einen großen Schritt näher gebracht, denn wir konnten bereits vor dem Start des Produkts Menschen für unsere Sache begeistern und potentielle Kunden gewinnen. Und schlussendlich hat die ganze Sache uns verdammt viel Spaß gemacht. Macht es uns nach, werdet selbst aktiv und probiert es doch einmal selbst aus!

Weitere Informationen unter www.sorglosinternet.de.

7 Kommentare zu "Crowdfunding, Störerhaftung und die Lösung des brennendsten Problems"

  1. Es handelt sich um kein Investment, sondern um eine Spende. Man pumpt halt Leute an einem Geld zu geben. Das ist der Grund weswegen solche Plattformen nicht wirklich für Projeket funktionieren sollten die Gewinnorientiert arbeiten. Wenn jemand Geld will soll er dafür auch was liefern, das tut ihr ja nicht direkt.Bei Kickstarter sind die Projekte wenigstens sinnvoll, bei euch sollten wenn dann nur cafebsietzer einen nutzen haben bei dem produkt. Weiterhin gibt es sowas ja auch schon länger, es ist also nicht ein first mover oder etwas komplett neues.

  2. Ich finde das Projekt toll. Normalerweise sind es immer die Banken, die an den großen Ideen verdienen. Das muss ein Ende haben! Großes Kompliment für den Mut!

  3. Danke für die Meinungen.

    @paul: Ich denke nicht, dass wir nichts für das Geld liefern. Es aber so, dass die Leute natürlich keine direkten Anteile am Unternehmen bekommen, wie es etwa bei anderen Crowdfunding-Plattformen der Fall ist. Wir geben den Wert auf einer anderen Ebene weiter. Schlussendlich profitiert derjenige von unserem Produkt, der in Zukunft in einem Café sorglos im Internet surfen kann, bei dem das vorher nicht möglich war. Indirekt … aber in unseren Augen wirksam.

    Außerdem ist es so, dass unser Projekt soweit in den Kinderschuhen steckt, dass eine Unternehmensbeteiligung zu früh wäre. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so etwas erst Sinn macht wenn reale Zahlen des momentanen Umsatzes vorhanden sind um man eine ECHTE Prognose wagen kann (nicht die aus einem Fantasie-Businessplan!)

    Auch wenn es komisch klingen mag, unser Hauptziel ist die Abschaffung der Störerhaftung. Es sind immer wieder politische Initiativen im Gange, die aber bis jetzt leider erfolglos blieben. Wir wollen JETZT etwas gegen die Störerhaftung tun!

  4. Zitat:

    „Auch wenn es komisch klingen mag, unser Hauptziel ist die Abschaffung der Störerhaftung. Es sind immer wieder politische Initiativen im Gange, die aber bis jetzt leider erfolglos blieben. Wir wollen JETZT etwas gegen die Störerhaftung tun!“

    Frage:

    Wieviel „kommerzielle“ (Hotels etc) im Vergleich zu „privaten“ WLAN Stationen gibt es in Deutschland? Wieviel Stoererhaftungsfaelle hat es bislang in Deutschland gegeben? Ist es nicht sinnvoll ihr „technisches Konzept“ den vorhandenen WLAN Router Herstellern/Vertreibern anzubieten? Auf die Art und Weise waere eine techn. flaechendeckende Loesung als Add-On nach und nach fuer alle machbar. Eine gesetzliche Aufhebung der Stoererhaftung wird es jedenfalls nicht geben….es gibt keine Lobby, weder in der Oeffentlichkeit noch in den Parteien.

    MfG, Klaus Kramer
    Voice Ads Ltd/Telekommunikation

    • In der Tat ist es so, dass die Zahl der „kommerziellen“ Hotspots wesentlich geringer als die der „privaten“ ist. Sein wir doch mal ehrlich: der Optimalfall wäre, wenn jede Person sich mit jedem verfügbaren WLAN verbinden könnte. Das würde nicht nur das mobile Surfen deutlich schneller machen sonderen auch die Strahlenbelastung bspw. durch 3G-Netze verringern. Leider geht das bisher nicht, da dies zum einen Sicherheitsbedenken auslöst und auf der anderen Seite die Störerhaftung jenden Besitzer eines WLANs potentiell haftbar macht.

      Unsere Auffassung ist, dass es auf lange Sicht keinen anderen Weg geben kann, als die Abschaffung der Störerhaftung, wie es in vielen anderen Ländern auch der Fall ist -> http://bit.ly/RmIJ0Y

      Wir würden uns im übrigen sehr freuen, wenn wir unsere Lösung auf lange Sicht auch größeren Firmen anbieten können. Bleibt jedoch die Frage, ob die Lobby der Rechteinhaber und Anwälte nicht versuchen würden dieses Angebot mit allen Mitteln zu verhindern?

      Fakt ist, dass auch wir erst einmal wachsen und unser Konzept am Markt beweisen müssen. Danach kann man über weitere Schritte nachdenken.

      • Hallo Herr Prokop

        Mir liegt es absolut fern Ihnen Ihre Gruendungsidee auszureden. Trotzdem sind in Ihrer Startup Beschreibung einige wesentliche Ungereimheiten bzw. Wunschtraeume.

        Die von Ihnen erwaehnte „Sorglosbox“ gibt es schon und loest die Stoererhaftung durch entsprechende Konfiguration. So what’s new in your box?

        Ihr Vorhaben durch Crowdfunding Euro 5000 einzusammeln steht Ihnen frei, verlangt aber nach einer USP Antwort wie die Technik in Ihrer Sorglosbox aussieht, und zwar sehr genau definiert. Die Entwicklung der Sorglosbox wird wohl mehr als Euro 5000 verschlingen.

        Ihr Wunsch bzw. Argument, das die Stoererhaftung abgeschafft werden muss, weil sie in anderen Laendern auch nicht existiert, interessiert den Deutschen Gesetzgeber grundsaetzlich nicht. Ihre Box wird die Stoererhaftung juristisch nicht aushebeln, ganz zu schweigen davon das der Gesetzgeber aufgrund einer Sorglosbox die Stoererhaftung abschaffen wird. That would be rather wishful thinking.

        MfG, Klaus Kramer

        • Hallo Herr Kramer,

          sie haben durchaus Recht, unsere ist ist nicht neu. Wir legen unseren Fokus auf die Einfachheit der Anwendung für den kleinen Cafébesitzer, die wir bis jetzt auf dem Markt vermissen. Reduktion statt aufgeblasener Features.

          Den Gesetzgeber interessiert es dann, wenn sehr viele Menschen in diesem Land ein gemeinsames Bedürfnis haben. Die sorglosbox ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Wir möchten die Gesetze dabei auch gar nicht aushebeln, wir möchten sie lediglich anwenden.

          Viele Grüße
          Alexander Prokop

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