Das Startupbootcamp in Berlin: Von (fast) Null auf Hundert in nur drei Monaten

Das Mentor-Programm Startupbootcamp kommt in diesem Jahr erstmals nach Berlin. Welche Gründer daran teilnehmen, und ob es im kommenden Jahr eine Neuauflage in der Hauptstadt geben wird, unter anderem das fragten wir Wilken Bruns, COO des Startupbootcamp Berlin:

Für alle, die dieses Programm noch nicht kennen, was genau „macht“ das Startupbootcamp?

Startupbootcamp versteht sich als Gründerhilfe auf Steroiden. Wir nehmen jedes Jahr, in jeder unserer Städte, 10 Startups in frühen Stadien auf, die wir gleichzeitig durch ein intensives 3 Monats Programm schleusen. Das Programm basiert auf den Erfahrungen, dem Netzwerk und dem Know-How unserer Mentoren. Diese sind meist erfahrene Gründer, Executives oder Spezialisten, die fast täglich vorbeikommen und großteils ihre Freizeit opfern, um den Startups zu helfen.

Zudem erhalten die Startups von uns ein Taschengeld von €15.000 um die Umkosten zu decken und sich voll auf das Programm konzentrieren zu können. Zusätzlich stellen wir Räumlichkeiten, die sie sich mit den anderen Teilnehmern teilen. Letzteres hat den Vorteil, dass sie nicht nur von den Mentoren, sondern auch voneinander lernen. Am Ende der 3 Montate präsentieren die Startups ihre Idee vor 300+ Investoren um eine Erstfinanzierung zu bekommen. Wir sehen uns allgemein als Mitgründer, nicht als Investor.

Wer steckt hinter der Initiative, bzw. woher stammen die Mittel für die Förderung der einzelnen Teilnehmer?

Startupbootcamp wurde von Alex Farcet in Zusammenarbeit mit Rainmaking, einer dänische Startup Factory, Ende 2009 gestartet. Seitdem lief das Programm zweimal in Kopenhagen, einmal in Madrid, Dublin und Amsterdam. Haifa ist diese Woche dazu gekommen. In jeder Stadt mobilisieren autonome Partner Gelder von privaten Investoren und Sponsoren um das Programm zu finanzieren. Öffentliche Gelder gibt es zur Zeit leider noch nicht für Projekte dieser Art.

Wir hoffen, das sich dies in Zukunft ändert, da Programme wie unseres, einen wesentlichen Teil eines gesunden wirtschaftlichen Ökosystems ausmachen. Wir fördern die lokale Wirtschaft und deren internationale Integration, bringen neue Talente ins Land und stärken wirtschaftliche Bindungen auf europäischer Ebene. Ich hoffe die EU, Deutschland und Berlin werden sich in dieser Richtung in Zukunft stärker engagieren.

Was ist die Intention der Sponsoren?

Die Sponsoren interessieren sich für uns aus verschiedenen Gründen. Den größten Mehrwert bieten wir großen Konzernen, die durch innovative Startups ihre eigenen Entwicklungszentren vorantreiben wollen. Große Konzerne haben häufig das Problem, dass sie durch die langsamem Prozesse, oder durch mangelndes Know-How im Bereich der Internet- und Kommunikationstechnologien, neue Geschäftsmodelle zu spät entdecken, oder auf Veränderungen am Markt nicht adäquat reagieren. Wir bieten diesen Konzernen die Zugang zu stark selektierten und hoch-talentierten Unternehmern, die durch unsere Mentoren hervorragend weitergebildet werden.

Die Geschäftsmodelle werden mehrfach geprüft, kritisiert und neu modelliert. Firmen können diese Startups eventuell später als Dienstleister nutzen oder aufkaufen. In Einzelfällen können Konzerne die Richtung der Startups auch mitgestalten. Zudem bekommen Firmen durch uns die Aufmerksamkeit der Startup-Szene; potentielle neue Kunden innerhalb unserer Teilnehmer, Mentoren, Bewerber und Fans; die Gelegenheit wachstumsorientierte Startups mit hohen Chancen auf Erfolg als Kunden zu gewinnen; ein unbezahlbares, internationales Netzwerk; sowie Trainingsmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter.

Die Bewerbungsfrist 2012 ist bereits abgelaufen. Können Sie uns schon etwas über die in diesem Jahr ausgewählten StartUps verraten?

Es war wirklich eine große Herausforderung die zehn besten Startups zu wählen. Insgesamt kamen 20 Startups zu unseren Selection Days nach Berlin, die allesamt ein spitzen Feedback von unseren Mentoren bekommen haben. Basierend auf dem Input der Mentoren und Investoren haben wir schließlich die Top 10 ausgewählt. Die Startups sind allesamt web-basiert. Die meisten befinden sich im Social-Media Bereich, was großteils mit dem Berliner Ökosystem und dem potentiellen Mehrwert unserer Mentoren zusammenhängt.

Die Unternehmer kommen aus Deutschland, den USA, Australien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Italien, Frankreich und England. Vier der Teams sind gemischt und davon haben wiederum nur zwei Deutsche Mitgründer. Hier finden Sie ein kurze Übersicht mit Name, Tätigkeit, Nationalität und Anzahl der Teammitglieder:

  • liquidstate: Mobile publishing, Australia / France, 3
  • Brisk.io: UI framework in Javascript, Netherlands, 2
  • WebCred: Peer-to-peer reputation, US / Germany, 2
  • Capsule FM: Personal iOS radio, Norway / Germany, 3
  • Weavly: Video mash up, Austria, 3
  • frestyl: Making concerts social, US / Italy, 3
  • Raidarr: Local content discovery, US, 3
  • ItsPlatonic: Match making friends, US, 2
  • Fourscan: Social monitoring for companies, France, 2
  • Streetvite: Event promotion with rewards, UK, 2

Was ist das konkrete Ziel? Wo sollen die Jungunternehmer nach den 3 Monaten „BootCamp“ stehen?

Wilken Bruns

Sie sollen 2 Jahre weiter sein. Jedes Startup fängt in einem unterschiedlichen Stadium bei uns an. Die einzige Voraussetzung ist, dass wir in der Lage sind, sie in den 3 Monaten maximal voran zu bringen. Grob kann man sagen, dass wir im ersten Monat die Geschäftsmodelle analysieren, testen und bei Bedarf ‚pivoten‘. Im zweiten Monat werden die Technologie und das Team aufgebaut. Der dritte Monat dient der Pitch Vorbereitung und ersten Kundengewinnung. Die Intensität des Ablaufs und die Dichte des Inputs durch die Mentoren während der drei Monate ist vergleichbar mit zweijähriger Eigenentwicklung.

Der krönende Abschluss ist der Demo Day, an dem die Firmen sich der Öffentlichkeit und den Investoren präsentieren. Die Startups trainieren fast jeden Tag ihren Pitch, um beim Demo Day eine einwandfreie, packende und überzeugende Präsentation zu geben. Das Ziel ist es danach eine Erstfinanzierung zu bekommen. Allerdings unterstützen wir sie hiermit auch noch 3 Monate im Anschluss an das Programm

Es gibt bereits dezente Hinweise auf ein Startupbootcamp Berlin in 2013. Wird ein solches kommen, und können sich interessierte Gründer vormerken lassen?

Richtig. Wir haben einen dezenten Hinweis auf unserer Landingpage hinterlassen ;) Wir wollen langfristig in Berlin bleiben und haben uns daher schon jetzt für die nächsten 3 Jahre finanziert. Wir organisieren regelmäßig öffentliche Veranstaltungen und sind bei vielen anderen Events anwesend.

Interessierte Gründer können sich somit jederzeit mit uns treffen. Wir empfehlen diese Möglichkeit zu nutzen, da persönliche Eindrücke und länger anhaltende Beziehungen ein wesentlich besseres Bild der Unternehmer vermitteln. Die Qualität der Teams ist für uns am wichtigsten. Ab dem 1. Februar können sich Teams dann wieder offiziell für Berlin bewerben.

1 Kommentar zu "Das Startupbootcamp in Berlin: Von (fast) Null auf Hundert in nur drei Monaten"

  1. Hallo, für mich als Gründer klingt die Sache sehr gut. Leider gab es das vor 3 Jahren noch nicht. Ich hoffe das man sich seine Sache gut überlegt und von dem Wissen Dritter profitiert.

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