Deal-Aggregator Bownty: „Es gibt noch viele mögliche Nischen in diesem Markt“

Sogenannte Deal-Aggregatoren gibt es mittlerweile in zahlreichen Ausführungen. Das Portal Bownty – ein dänisches Startup aus Kopenhagen, das mittlerweile auch hierzulande aktiv ist – war dabei noch recht früh mit am Markt.

Wir befragten Bownty-CEO Steffen W. Frølund unter anderem dazu, wie sich das Unternehmen in diesem harten Markt behaupten konnte, und welche Besonderheiten das Deals-Geschäft in Deutschland auszeichnen:

Bei Ihrem Dienst handelt es sich um einen sogenannten Deal-Aggregator, der bereits in 2010 gegründet wurde. Mittlerweile gibt es sehr viele solcher Portale. Mit welchen Maßnahmen ist es Ihnen gelungen, sich dennoch zu bewähren?

Die Industrie in der wir uns bewegen ist bekanntermaßen eine mit niedrigen Eintrittsbarrieren. Doch auf der anderen Seite gibt es erhebliche Barriers to Scale. In diesem Sinne ist die Einrichtung einer simplen Webseite und diese mit ersten Inhalten zu füllen relativ einfach und schnell getan. Den Schneeball jedoch ins Rollen zu bringen und Umsatz zu generieren ist der schwierige Part in diesem Geschäft.

Anders als viele unserer Wettbewerber sind wir von einem Venture Capital Fond gesichert und alle unserer drei Gründer haben entscheidende praktische Erfahrungen im Management von E-commerce Unternehmen. Gleichzeitig arbeiten wir sehr datengesteuert und überlassen nichts dem Zufall. Darüber hinaus, sehen wir besonders unsere Marketing-Strategie als einen Wettbewerbsvorteil.

Hat Groupon den Deals-Markt eher noch „angeheizt“, oder sind die großen Zeiten vergleichbarer Portale bereits vorbei, was meinen Sie?

Groupon ist ein besonderer Fall – unter Betrachtung fast aller Aspekte. Das Unternehmen hat diese Branche ursprünglich geschaffen, doch heutzutage hat ein Großteil der Unternehmen im Markt einen völlig anderen Ansatz erfolgreich Geschäfte zu machen. Es besteht kein Zweifel, dass Daily Deals eine klare Win-win Situation für alle Beteiligen sein können, ohne die Notwendigkeit die Margen bis an die Grenzen auszureizen.

Der Markt wächst weiterhin mit attraktiven Wachstumsraten in den meisten europäischen Ländern mit Ausnahme von Deutschland. Auch wenn der Markt hier in Deutschland im letzten Quartal etwas zulegte, so stagnierte das Wachstum in letzter Zeit. Ich persönlich bin der Meinung, dass deutsche Unternehmer wieder mehr Vertrauen in diesen Markt entwickeln sollten, denn er bietet zweifellos ein wertvolles Marketing Tool, mit dem man tausende lokaler Konsumenten auf Basis eines No-cure-no-pay Models (Bezahlung nur im Erfolgsfall) erreichen kann.

Ich nehme an, Sie refinanzieren sich hauptsächlich durch Affiliate-Einnahmen? Oder durch Werbeschaltungen?

Genau, das Geschäftsmodell basiert auf Kommissionszahlungen der Deal-sites wenn Bownty für sie einen Kauf generiert. Relativ simple.

Gibt es im Deals-Bereich überhaupt noch Nischen, die man erstmalig besetzen kann?

Es gibt noch viele mögliche Nischen in diesem Markt. Zum Beispiel die Möglichkeit sich auf die Männer als Zielgruppe zu fokussieren hat noch relativ wenig Beachtung gefunden, soweit wir dies beurteilen können. Bownty hingegen ist eher das Gegenteil einer Nischen-Webseite und versucht den Kunden in allen Segmenten gerecht zu werden. Unser Wertversprechen ist, dass jeder, der unsere Seite besucht etwas Passendes findet, unabhängig von den persönlichen Interessen.

Sie sind stolz auf Ihr kundenfreundliches Interface. Wie und mit welchen Methoden bzw. Tools gehen Sie im Bereich Usability-Testing vor?

Die Bownty App

Unsere Methoden basieren größtenteils auf den Prinzipien des Lean Startup Movement. Alles wird getestet und wenn die Ergebnisse erfolgsversprechend sind, übernehmen wir die Änderungen für die gesamte Userbase. Man könnte prinzipiell sagen, dass alles was wir machen mit einem A/B-Test getestet ist. Dazu haben wir die meisten der Tools selbstständig entwickelt, basierend auf statistischen Open-source Frameworks.

Wir haben in der Vergangenheit Usability-Testing an Fokusgruppen online vorgenommen, welches uns als Ergebnis interessanten Einblicken ermöglicht hat. Dabei braucht es viel Rückgrat für unsere Designer und Front-end Mitarbeiter, wenn kontinuierlich Projekte, die sie mit Herz entwickelt und designt haben, wieder in Frage gestellt, verändert oder gelöscht werden. Sie opfern täglich ihre „Lieblinge“ und das respektiere ich sehr.

Unsere Webseite ist in vielen Punkten wie Knete, die kontinuierlich von uns geformt wird, und kein festes Produkt. Ich denke dies ist eine wichtige Eigenschaft die man beherzigen sollte, wenn man ein Online Produkt managt.

Bownty ist international aufgestellt. Wo hat das Unternehmen seine Wurzeln, und wie kam es zu der Expansion in den deutschsprachigen Raum?

Wir sitzen in Kopenhagen und haben bereits Anfang 2011 mit der Einführung unserer Webseite in Dänemark begonnen. Unsere Series A Finanzierungrunde haben wir erfolgreich in Januar 2012 abgeschlossen und wir waren überzeugt, dass unser Geschäftsmodell auch in anderen Ländern funktionieren kann. So entschlossen wir uns unsere Webseite in Großbritannien einzuführen. Unsere Marktentwicklung dort ist erfolgreich, und erst kürzlich sind wir zum zweitgrößten Deal-Aggregator in Großbritannien aufgestiegen.

Der nächste große, interessante Markt auf den wir uns konzentrieren ist Deutschland, während wir in unseren Kernmärkten weiterwachsen. Darüber hinaus werden wir unsere Seite im Laufe des nächsten Monates noch in weiteren europäischen Ländern starten.

Welche Unterschiede gibt es bei den Deals-Portal-Nutzern in Dänemark, UK und Deutschland, und worauf muss man im deutschen Markt ganz besonders achten?

Großartige Frage! Hier kann ich es leider kaum vermeiden grobe Verallgemeinerungen zu machen, doch ich sehe, dass die Dänen sehr glücklich sind mit dem E-commerce. Gutscheine sind dort ein ganz neues Phänomen, geschweige denn die Deals. In Großbritannien hingegen verwenden die Menschen Gutscheine und Coupons bereits seit einigen Jahren und nehmen dementsprechend Angebote in Form von Deals ganz natürlich an.

In Deutschland spüren wir ein großes Interesse für Reiseangebote und eine gesunde Skepsis über das Verhalten der Deal-sites. Wir hoffen, dass wir zeigen können, dass wir in unserer Rolle als Aggregator mehr Transparenz in den Markt bringen und somit die Rechte der Verbraucher stärken. Gleichzeitig setzen wir uns im Rahmen unserer Mitgliedschaft in der Global Daily Deal Association für ein Fairplay in der Industrie ein.

Kommentar hinterlassen on "Deal-Aggregator Bownty: „Es gibt noch viele mögliche Nischen in diesem Markt“"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.