Design crowdsourcen für StartUps – Mit begrenzten Ressourcen zum Wunschdesign

Ein Gastbeitrag von Jan Hulshoff Pol, 12designer.com.

Junge, noch nicht vollständig etablierte Unternehmen sind in den ersten Phasen besonders dadurch gekennzeichnet, dass sie in Punkto Zeit, Budget und Ressourcen Limitationen ausgesetzt sind.

In der Gründungsphase muss der richtige Firmenname gefunden, die erste Finanzierung geklärt und eine Corporate Identity entwickelt werden. In der Anfangsphase hapert es bei der Umsetzung häufig an fehlenden eigenen Ressourcen und das Budget ist chronisch knapp. Und der Faktor Zeit spielt besonders im Web eine entscheidende Rolle.

In dieser Situation bieten sich Angebote an, die auf Crowdsourcing basieren, denn sie führen Angebot und Nachfrage auf unkomplizierte Weise im Internet zusammen. Mittlerweile gibt es ein reichhaltiges Angebot für die unterschiedlichen Disziplinen. In diesem Beitrag geht es um Design Crowdsourcing und wie es Startups helfen kann.

Was ist Design Crowdsourcing?

Der Begriff Crowdsourcing geht auf Jeff Howe (Wired Magazine) zurück und setzt sich aus den englischen Begriffen „Crowd“ und „Outsourcing“ zusammen. Es bezeichnet das Auslagern von Dienstleistungsaufgaben, nicht wie beim Outsourcing an Drittunternehmen, sondern an eine so genannte Crowd (Masse). Weil hier das Wissen der Masse verfügbar gemacht wird, spricht man in diesem Zusammenhang auch gerne von der „Intelligenz der Masse“.

Beim Design Crowdsourcing ist die crowdgesourcte Aufgabe mit einer kreativen Leistung verbunden. In der Regel läuft ein Designprojekt im Wettbewerbsmodus ab und folgt vereinfacht immer 3 Phasen:

  • Phase 1: Auftraggeber schreiben die Aufgabe auf einem Online-Portal aus, legen den Preis fest, den sie für das Design bezahlen möchten und definieren den Zeitraum, indem sie das Ergebnis benötigen.
  • Phase 2: Nach Ausschreibung der Aufgabe beteiligen sich Kreative am Wettbewerb und reichen während der Laufzeit Entwürfe ein.
  • Phase 3: Bei Ende der Laufzeit wird der Siegerentwurf durch den Auftraggeber ausgewählt und dadurch wandern die Nutzungsrechte an den Auftraggeber.

Vorteile des Design Crowdsourcings

4 Kernargumente sprechen für Design Crowdsourcing:

  1. Schnelligkeit: Design Crowdsourcing bietet Auftraggeber örtliche und zeitliche Unabhängigkeit für ihr Projekt. Die Suche nach Freelancern oder Agenturen entfällt und in wenigen Minuten kann die Designaufgabe vergeben werden. Kreative nehmen von sich aus an den Projekten teil.
  2. Einfachheit: Creative Crowdsourcing lässt sich bequem online abwickeln und benötigt keine Meetings. Einzige Bedingung ist ein Internetzugang.
  3. Kreative Vielfalt: An einem Design-Wettbewerb nehmen mehrere Designer teil und reichen ihre Entwürfe ein. Die Vorschläge entstammen so nicht nur einer kreativen Feder und man bekommt echte unterschiedliche Vorschläge. Hinzu kommt eine kulturell bedingte Vielfalt, da Designer aus ganz Europa an den Projekten teilnehmen können.
  4. Kosteneffizienz: Auftraggeber legen den Preis für die Designaufgabe selbst fest. Es gibt zwar für jede Designkategorie einen Mindestpreis, mit dieser Untergrenze liegt man in der Regel unter den üblichen Agenturpreisen. Möglich ist dies, da Design Crowdsourcing ohne langwierige Prozesse und kostspieligen Apparat abläuft.

Tipps für Startups

Die erfolgreiche Nutzung des Design Crowdsourcings ist keine Selbstverständlichkeit und nicht immer ist Design Crowdsourcing der richtige Lösungsansatz. Daher sind einige Aspekte zu beachten:

Art der Kreativaufgabe und ideale Einsatzgebiete:

Nicht jede Kreativaufgabe lässt sich über eine Design Crowdsourcing Plattform umsetzen. Die Aufgabe muss klar abgesteckt und im Wettbewerb erstellbar sein.

Ein Firmen- oder Produktlogo, Flyer, Twitter Hintergrund oder ein Homepage Design sind klar definierte Aufgaben, die sich für einen Design Wettbewerb eignen. Dagegen sind beispielsweise ein Gaming Interface, animierte Videos, die Erstellung eines Comics eher komplexe Projekte die eine kontinuierliche interaktive Zusammenarbeit mit einem Designer(team) erfordern und so ungeeignet sind. Hier empfiehlt sich die Auswahl einer Agentur oder den Freelancer seines Vertrauens.

Aktives Mitwirken beeinflusst maßgeblich das kreative Ergebnis:

Design Crowdsourcing erfordert ein aktives Mitwirken, welches bei einem guten Briefing startet und bei einer aktiven Steuerung des Projekts fortgesetzt wird. Ein gutes Ergebnis ist in der Regel von einem regelmäßigen und konstruktiven Feedback seitens des Auftraggebers abhängig. Dieses erfolgt bequem über die Plattform und direkt an den erhaltenen Entwürfen. Designer brauchen die Rückmeldung, um nicht am Ziel vorbei zu arbeiten, das Feedback gibt die richtige Richtung vor.

Wer dazu weder Zeit noch Lust hat, sollte besser die beratende Leistung eines Key Accounters einer Agentur in Anspruch nehmen.

Attraktivität des Projekts zieht Designer an:

Für Kreative tragen einige entscheidende Faktoren zur Motivation bei, an einem Design Wettbewerb teilzunehmen. Je spannender die Aufgabe, je interessanter der Preis, je aktiver und kompetenter der Auftraggeber (klare Aufgabenstellung), desto attraktiver der Wettbewerb. Der Spaßfaktor darf nicht zu kurz kommen und daher sind folgende Fehler zu vermeiden:

  • schlechtes, unzureichendes Briefing mit unklarer Aufgabenstellung
  • unpassendes Preis-Leistungsverhältnis dadurch, dass man bspw. den Mindestpreis mit einem umfangreicheren Aufgabenstellung verbindet
  • keine oder zeitlich verzögerte Rückmeldung

Nutzung des internationalen Kreativpools:

Bei 12designer sind über 22.000 Kreative angemeldet, die europaweit verstreut sind. Man hat die Möglichkeit, das Briefing in mehreren Sprachen anzulegen und dadurch Kreative aus dem nicht-deutschen Ausland zu erreichen. Den internationalen Kreativpool kann man auch für Namensfindungsprojekte oder mehrsprachige Kreativaufgaben nutzen.

Gern stehe ich für Fragen und Anregungen per Mail unter jan@12designer.com zur Verfügung.

3 Kommentare zu "Design crowdsourcen für StartUps – Mit begrenzten Ressourcen zum Wunschdesign"

  1. Wir selbst haben übrigens sehr gute Erfahrungen mit Plattformen wie 12designer gemacht.

    Das MeinStartup.com-Logo stammt ebenfalls aus einer solchen Ausschreibung. Entworfen hatte es ein junger Designer aus Algerien, an den wir ohne die Crowd-Ausschreibung sicherlich nie herangekommen wären.

  2. Grundsätzlich ist es immer gut, wenn mein Teilbereiche seiner Arbeit outsourcen kann. Die Idee, dass man sowas wie einen Contest veranstaltet gibt es bereits auf diversen Portalen.

    Allerdings frage ich mich immer, was passiert mit den Designer, welche dann nicht genommen werden?

    Angenommen ich mache eine Ausschreibung und bekomme 20 Vorschläge. Dies ist zwar super für den Auftraggeber, allerdings sind es dann auch 19 Designer, welche die Arbeit vergebens gemacht haben.

    Wie ich bereits geschrieben habe, finde ich die Idee im Ansatz gut. Ich beobachte dies allerdings aus der Sicht des Designers und desshalb äussere ich hier auch meine Zweifel.

  3. @Marcello: Ein tatsächliches Problem für teilnehmende Designer. Einige stellen ihre Entwürfe – sofern diese nicht zu speziell auf den Auftraggeber ausgerichtet sind bzw. sich allgemein verwenden lassen – danach in einen Marktplatz zu einem Festpreis wieder ein.

    Zumindest professionelle Designs haben dort eine recht gute Chance einen Käufer zu finden, womit die Arbeit nicht ganz vergebens ist.

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