Arbeiten in der Gründer-Hauptstadt Berlin: Hype, Mythos, oder was?

Zugegeben: Als Wahl-Berliner ist man – ob man möchte oder nicht – meist doch etwas stolz darauf, in welch exponierter Rolle Berlin derzeit in der Gründerszene hierzulande gehandelt wird.

Auch bei unseren Interviews mit StartUps aus Berlin wird regelmäßig klar: Die meisten Gründer entscheiden sich ganz bewusst für die Hauptstadt als Firmensitz, oder verlegen diesen sogar aus dem Ausland heraus hierher. Andererseits hat man als Berliner immer ein wenig den Drang, sich fast schon dafür zu „schämen“, wenn die Spreemetropole im In- und Ausland als DIE deutsche Gründerstadt gehandelt wird. Denn diese Berichte klingen manchmal fast schon so, als führe an Berlin gar kein Weg mehr vorbei, schon gar nicht bei einer der derzeit wie Pilze aus dem Boden sprießenden Onlinegründungen.

Was macht Berlin so einzigartig?

„Berlin hat das Potential, die künftige Nr. 1 in Europa in der Kreativwirtschaft zu werden“, so tönt es etwa von den Seiten der landeseigenen Berlin Partner GmbH. Schaut man sich die Gründungen an, die beispielsweise aus der Berliner Hochschulszene heraus entstanden und fast täglich immer noch entstehen, so wirkt dieser Anspruch keineswegs vermessen. Die Faktoren, welche den Erfolg von Berlin als Gründer-Mekka ausmachen, sind schnell aufgezählt:

  • Berlin gilt – vielleicht als einzige Stadt Deutschlands – als „hip“ im Ausland. Wenn jemand aus der internationalen Gründungselite über einen Standort hierzulande nachdenkt, dann wird ihm wohl nur die Stadt an der Spree einfallen, allenfalls noch Hamburg fast schon als „zweite Wahl“
  • Dieser Faktor hängt mit dem reichhaltigen Kulturangebot, der bewegten Geschichte Berlins aber auch mit der – zumindest in Teilen vorhandenen – weltoffenheit der Stadt zusammen
  • Die Lebenshaltungskosten steigen, sind aber – gerade im europäischen Vergleich – immer noch extrem niedrig, wenn man nicht gerade in „Mitte“ residieren möchte
  • Die Stadt fungiert durch ihre geographische Lage als spannendes Tor zum aufblühenden Osten Europas, sie wird aber auch von den skandinavischen Ländern mehr und mehr entdeckt
  • Sieht man sich an, was ein (Nicht-Berliner) Stellenportal zum Thema „Arbeiten in Berlin“ schreibt, so wird schnell klar: hier lassen sich sehr viele sehr gut ausgebildete Fachkräfte finden, und dies zu einer Entlohnung, die in der Regel immer noch deutlich niedriger ausfällt als im Süden der Republik
  • Nicht zuletzt sorgen Institutionen wie beispielsweise das betahaus oder die zahlreichen renommierten Gründerzentren für das internationale Gewicht der Stadt.

Quo vadis Berlin

Es wird sich in der Zukunft zeigen, ob der Hype rund um die Hauptstadt wirklich anhalten kann. Erste kleine Brüche werden bereits sichtbar, etwa wenn man sich die Entwicklung der Mietpreise in den letzten Monaten anschaut, die nicht nur in den angesagten Kiezen immer weiter in die Höhe klettern. Zwar ist die Stadt noch Meilen fern von Entwicklungen, wie man sie etwa in London beobachten kann. Dennoch könnte mit einem ansteigenden Preisniveau auch der Charme und die Attraktivität für so manches Gründungsvorhaben verloren gehen.

Auch sind sehr viele der in letzter Zeit entstandenen Gründungen nach wie vor den Beweis schuldig, ob es sich um wirklich langfristig tragbare Konzepte handelt. Dass ein Kapitalgeber sechs- und siebenstellige Summen in ein StartUp der Hauptstadt „pumpt“ heißt noch lange nicht, dass dieses auch noch in einigen Jahren existieren wird, bzw. entsprechende Gewinne einfahren kann. Es bleibt also durchaus spannend in der Gründerhauptstadt.

Über Ihre/eure Kommentare am Ende des Beitrags würden wir uns freuen: Mit welchen Augen seht ihr die Berichterstattung rund um die Gründermetropole Berlin? Hype oder „Overload“? Wir sind gespannt..

Titelfoto: Flo Holzinger, Österreich

1 Kommentar zu "Arbeiten in der Gründer-Hauptstadt Berlin: Hype, Mythos, oder was?"

  1. Hallo,
    ich habe nichts gegen Berlin. Aber es hat auch seine Nachteile. Gerade als Gründer sollte man sich konzentrieren. In Berlin ist das wegen der vielen Ablenkungen nicht immer einfach.

    Grüße, Frank

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