Posten statt surfen: So werden User zu Autoren

Nahezu kein Portal, kein Shop kommt heute ohne die Interaktivität mit seinen Besuchern aus, sei es durch Bewertungen, Kommentarfunktionen, Chats oder Foren.

Und das aus gutem Grund: aktive User erhöhen nicht nur deutlich den Traffic, was Suchmaschinen mit einem besseren Ranking honorieren. Reger Gedankenaustausch der Kunden fördert auch die Umsätze, wie die aktuelle Sonderstudie im Rahmen des (n)onliner Atlas 2012 eindrucksvoll zeigt: 80 Prozent aller, die im Internet einkaufen, vertrauen auf die Kundenbewertungen anderer Nutzer.

Auch andersrum wird ein Schuh daraus: Die vielbeklagte Anonymität des Internets ist einem großen Redebedürfnis der User gewichen, dem in meinen Augen der menschliche Wunsch nach Spiegelung und Achtung zugrunde liegt – denn irgendwie wird doch jeder gern um seine Meinung gefragt! Mehr als andere Medien hat das Internet also kommunikative Qualitäten – und davon profitieren Anbieter ebenso wie Nutzer.

Für Gründer stellen sich zu Beginn allerdings recht profane Fragen: wie aktiviere ich meine Besucher, selbst Content zu verfassen? Wie macht man Leser zu Autoren? Fünf Punkte bringen die Kommunikation mit den Usern in Schwung:

1. Geben ist seliger denn nehmen

Wer was haben will, muss erstmal etwas anbieten. Im Netz bedeutet das: Content, Service und Fachwissen. Denn wenn ein Online-Outdoorshop sein Klettermagnesia nur mit dem Begriff Chalk, 200g – Beutel anbietet, wird das seine Kunden ebenso redselig stimmen. Besser also, man liefert dazu interessantes Hintergrundwissen oder Praxistipps, die gerne auch persönlich sein dürfen. Um bei dem Beispiel des Outdoorportals zu bleiben: Ein dazu passender, aktueller Tourenbericht, in dem der Einsatz des Produktes beschrieben wird, ist für potentielle Kunden interessant und regt zu Rückfragen oder eigenen Erfahrungsberichten an.

2. Anreize schaffen

Für den User muss es sich auf irgendeine Art lohnen, Content für Ihr Portal zu erstellen. Eine gute Motivation ist hier Anerkennung. Wer auf großen Portalen wie www.gutefrage.net Beiträge einstellt, kann verschiedene Userlevel erreichen – das Maximum ist die Nominierung und Ernennung zum „RatgeberHelden“, dessen Beiträge dann grafisch hervorgehoben werden. Ehrgeiz und menschlicher Spieltrieb werden hier besonders effektiv angesprochen.

Alternative Ideen sind Verlosungen unter aktiven Nutzern oder – besonders im B2B-Segment interessant – die Verlinkung auf die Website des Autors. Bei Foren kann der Zugang zu geschützten Bereichen ab einer bestimmten Beitragszahl Anreize zum Schreiben schaffen.

3. Keine Komplikationen

Um einen Beitrag verfassen zu können, sollten die Hürden möglichst niedrig sein. Wer sich erst einer langwierigen Registrierung unterziehen muss, um dann „Super, hab ich auch gekauft!“ schreiben zu können, wird von einem Kommentar vermutlich absehen. Ich persönlich werde schon beim Abtippen von unleserlichen Captchafeldern ungeduldig. Sinnvoller ist da, den Beitrag erst nach redaktioneller Prüfung freizugeben, zumal der User mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal vorbeischaut, um seinen Beitrag online zu sehen.

Foren kommen ohne Registrierung natürlich nicht aus, diese sollte allerdings ebenfalls schnell erledigt sein. Wichtig ist hier vor allem Übersichtlichkeit und eine gute Suchmöglichkeit. Zu Beginn sollte man nicht zu viele, eventuell noch leere Unterforen anlegen, das strapaziert die Geduld der Nutzer ebenfalls.

4. Keine Angst vor Kritik

Am aufmerksamsten werden Ihre Besucher kritische Beiträge lesen – das ist deutlich unterhaltsamer als Lob, Preis und Ehr. Doch keine Bange: negative Post kann für den Portalbetreiber durchaus ein Vorteil sein. Denn seine Reaktion darauf ist für die Leser noch interessanter. Böse Verrisse entkräften Sie am besten freundlich und sachlich mit guten Argumenten. Und hat die Kritik einen wahren Kern, gehen Sie entgegenkommend darauf ein. So zeigen Sie sich und Ihr Geschäftsgebaren in einem guten Licht und schaffen Vertrauen, dass Sie auch gesprächsbereit sind, wenn mal etwas nicht in Ordnung ist.

5. Nicht schummeln

Kaufen kann man ja bekanntlich alles, auch aktive User. Auf einschlägigen Portalen werden schreibfreudige Avatare gleich busladungsweise angeboten, die dann meist sehr positiv Ihr Angebot kommentieren oder in Ihrem Forum posten. Alternativ kann man sich natürlich auch im Selbstgespräch üben. Doch Vorsicht: die Schummelei fliegt irgendwann auf, denn die meisten Leser haben ein feines Gespür für Fake.

Aktivieren Sie lieber Ihr Netzwerk, um Beiträge zu bekommen. Freunde und Geschäftspartner variieren in ihrem Schreibstil und bringen eigene Anregungen in das Gespräch. So läuft die Interaktion mit Ihren Nutzern dann bald auch ohne Hilfsmotor.

1 Kommentar zu "Posten statt surfen: So werden User zu Autoren"

  1. Mir sind die Meinungen anderer Kunden auch wichtig und daher lese ich sie. So kann man viel schneller beurteilen, wie der Shop organisiert ist und ob man dort bestellen möchte.
    Aus der Werbung von Onlineshops und anderen Geschäften wird man ja nicht schlauer, da man dort nur das „Gute“ zuhören bekommt.

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